Börsen-Talk: Aktien-Indizes nahe Allzeithoch trotz Tapering und potenzieller Zinswende

Börsen-Talk: Aktien-Indizes nahe Allzeithoch trotz Tapering und potenzieller Zinswende

Liebe Leser,

vergangenen Freitag wurden die Verbraucherpreise in den USA für November veröffentlicht. Der Verbraucherpreisindex stieg im Vergleich zum Vormonat Oktober um 0,8 %. Die Expertenschätzungen lagen bei 0,7 % und somit war das Ergebnis im Rahmen der Erwartungen. Auf Jahressicht bedeutet dieses Ergebnis dennoch einen durchschnittlichen Anstieg der Preise um 6,8 % seit Ende November letzten Jahres. Eine Inflationsrate in diesem Ausmaß gab es zuletzt vor 40 Jahren.

 Die Inflationsrate erreicht in den USA Höchststände. Eine Beschleunigung des Taperings der US-Notenbank ist somit nicht unwahrscheinlich. Trotz dieser Entwicklung scheinen die Aktienindizes unbeeindruckt ...
Die Inflationsrate erreicht in den USA Höchststände. Eine Beschleunigung des Taperings der US-Notenbank ist somit nicht unwahrscheinlich. Trotz dieser Entwicklung scheinen die Aktienindizes unbeeindruckt zu sein. Während viele Wachstumswerte zweistellig korrigierten oder sogar abstürzten, notieren vor allem die US-Indizes nahe an ihren Allzeithochs. Dies ist vor allem auf die jüngste Performance von Mega-Cap-Werten wie Apple, Facebook und Microsoft zurückzuführen, die einen erheblichen Bestandteil des S&P 500 und des Nasdaq 100 ausmachen.

“Inflationszahlen entsprechen nicht der Realität”

Kurz nach Veröffentlichung der Zahlen bezog US-Präsident Biden Stellung und kommentierte, dass sich die positiven Auswirkungen des eingeleiteten Taperings seitens der US-Notenbank Fed noch nicht im Zahlenwerk niederschlagen würden. Die Preise für die kommenden Wochen und Monate sollten laut Aussage des Staatsoberhaupts rückläufig werden.

Quelle: U.S. Bureau of Labor Statistics

Diesen kommenden Mittwoch, den 15. Dezember, wird die Fed zudem eine Sitzung abhalten, um zu erörtern, wie der Tapering-Prozess weitergehen soll. Vor dem Hintergrund der Inflationszahlen ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Anleihenkäufe weiter als ursprünglich geplant reduziert werden, um die Auswirkungen der vorangegangenen Phase der expansiven Geldpolitik zu entschärfen.

Inmitten der zum Jahresende vermehrten für die Finanzmärkte entscheidenden Termine lassen sich an diesen mehrere Muster beobachten. Es erfolgte in den letzten Tagen eine Rotation von den hoch bewerteten Wachstumswerten hin zu gewinnstarken und günstig bis moderat bewerteten Unternehmen. Besonders profitieren hierbei Anbieter von defensiven Konsumgütern, wie zum Beispiel die Großhandelskette Costco oder der Einzelhändler für Pharmazieprodukte CVS Health, deren Aktie neue Höchststände erreicht. Unternehmen mit hohen Gewinn- und Umsatzmultiples hingegen korrigierten stark oder brachen komplett ein. Corona-Profiteur DocuSign verlor beispielsweise nach enttäuschenden Quartalszahlen in der Spitze innerhalb eines Tages 40 % seines Börsenwerts.

Häuserbauer in Aufschwung trotz möglicher Leitzins–Anhebung

Angetrieben von den positiven konjunkturellen Entwicklungen und der Fülle an Aufträgen befinden sich die Aktien prominenter US-Hausbauer wie D.R. Horton oder Lennar im Aufwärtstrend und markieren wie die Konsumgüterwerte neue Allzeithochs. Diese Aktienkursentwicklung steht grundsätzlich im Gegensatz zu den möglichen Auswirkungen eines erhöhten Leitzinssatzes. Theoretisch würde die Erhöhung des Leitzinssatzes zu weniger Anreizen für Immobilienkredite und Kapitalinvestitionen führen, was eine geringere Nachfrage nach Immobilienprojekten in der Regel zur Folge hätte. Ein solches Szenario muss jedoch nicht unbedingt eintreten.

Zwar hat die Fed eine Anhebung des Leitzinses in Aussicht gestellt, um der Inflation entgegenzuwirken, die Durchführbarkeit dieser Maßnahme ist angesichts der hohen Staatsverschuldung in den USA jedoch zu hinterfragen (Anm.: mit Ausbruch der Covid-19-Pandemie ist die deutsche Staatsverschuldung auf ähnliche Proportionen angewachsen)

United States Government Debt
historische Entwicklung der US-Staatsverschuldung im Vergleich zur deutschen Staatsverschuldung
Quelle: Trading Economics

Darüber hinaus fehlen nach einer Studie von Realtor.com dem US-Wohnungsmarkt schätzungsweise 5,24 Millionen Immobilien. Dementsprechend ist der Bedarf an Häuserbauern größer denn je und wird nur zusätzlich dadurch verstärkt, dass die Menschen aus Sorge vor einer noch höheren Preisinflation Eigenheime erwerben. Infolgedessen könnte der US-Immobiliensektor auch langfristig attraktive Anlagechancen bieten.

Marktausblick

Die weitere Börsenentwicklung ist gewiss auch abhängig von der Sitzung der Fed am 15. Dezember. In Anbetracht der allgemeinen Korrekturen in einer Vielzahl an Branchen lässt sich möglicherweise jedoch ableiten, dass Investoren die Möglichkeit eines schnelleren Tapering bereits zu einem gewissen Grad eingepreist haben. Losgelöst vom Gesamtmarkt haben die verschiedenen Mega-Cap-Werte in den letzten Tagen und Wochen eine überdurchschnittliche Performance hingelegt und den Märkten auf diese Weise Stabilität verliehen (trotz allgemeiner Marktunsicherheit auf Grund der ungünstigen Geldpolitik und der neuen Covid-19-Variante Omicron). Sollten sie ebenfalls einen Ausverkauf erleben, kann es zu einer größeren Korrektur kommen, anstatt der in den gängigen Börsenforen erwarteten Jahresendrallye.

Quellen:

Bloomberg
CNBC
Forbes
Realtor.com
Trading Economics
TradingView
U.S. Bureau of Labor Statistics

Bildquelle:

Canva


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