Die Grundlagen des Aktienhandels: Ordertypen

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Die Grundlagen des Aktienhandels: Ordertypen

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Vormals mussten Anleger teure Spesen und GebĂŒhren bezahlen wollten sie Aktien kaufen.

Mit dem Aufkommen von Fintechs, wie etwa dem bekannten deutschen Online Broker Flatex, hat sich die ZugĂ€nglichkeit mittlerweile verbessert und die Transaktionskosten habe sich fĂŒr Anleger drastisch verringert. Auf Grund der Kostenstruktur von Fintechs können diese gĂŒnstigere Tarife im Vergleich zu traditionellen Banken anbieten und setzen dadurch den herkömmlichen Banksektor unter Druck, welcher entsprechend nachziehen musste.

Entsprechend der zunehmenden Bedeutung der digitalen Technologie und des Internets entscheiden sich zusĂ€tzlich viele Anleger dafĂŒr, Aktien selbst zu kaufen und zu verkaufen, anstatt Banken und Beratern hohe Provisionen fĂŒr die AusfĂŒhrung von Transaktionen zu zahlen.

Bevor man jedoch mit dem Kauf und Verkauf von Aktien beginnt, sollte man wissen, welche mögliche Ordertypen Investoren zur VerfĂŒgung stehen.

In diesem Artikel möchten wir auf die wichtigsten Ordertypen des Aktienhandels eingehen.


Market Order

Ein Market Order ist die grundlegendste Art des Handels. Es ist ein Auftrag zum sofortigen Kauf oder Verkauf zum aktuellen Kurs. Wenn man eine Aktie kaufen will, zahlt man in der Regel einen Preis, der dem veröffentlichten Briefkurs entspricht oder nahe kommt. Wenn man eine Aktie verkaufen will, erhÀlt man einen Preis, der dem veröffentlichten Gebot entspricht oder nahe kommt.

Wichtig zu beachten ist, dass der zuletzt gehandelte Preis nicht unbedingt der Preis ist, zu dem der Auftrag ausgefĂŒhrt wird. In schnelllebigen und volatilen MĂ€rkten kann der Preis, zu dem Sie den Auftrag tatsĂ€chlich ausfĂŒhren (oder ausfĂŒhren lassen), vom zuletzt gehandelten Preis abweichen. Der Preis bleibt nur dann gleich, wenn der Geld-/Briefkurs genau dem zuletzt gehandelten Preis entspricht.

Market Order sind bei Einzelanlegern beliebt, die eine Aktie ohne Verzögerung kaufen oder verkaufen möchten. Der Vorteil der Verwendung von diesem Order besteht darin, dass der Handel garantiert ausgefĂŒhrt wird; tatsĂ€chlich wird er so schnell wie möglich ausgefĂŒhrt. Obwohl der Anleger den genauen Preis, zu dem die Aktie gekauft oder verkauft wird, nicht kennt, werden Market Order fĂŒr Aktien, die ĂŒber Zehntausende von Aktien pro Tag gehandelt werden und somit einen geringen Spread vorweisen, wahrscheinlich in der NĂ€he der Geld-/Briefkurse ausgefĂŒhrt.

Visuelle Darstellung eines Market Order anhand eines Kursverlaufs.
Quelle: LYNX

Limit Order

Ein Limitauftrag, manchmal auch als Pending Order bezeichnet, ermöglicht es Anlegern, Wertpapiere zu einem bestimmten Preis in der Zukunft zu kaufen und zu verkaufen. Diese Auftragsart wird zur AusfĂŒhrung eines GeschĂ€fts verwendet, wenn der Kurs das vordefinierte Niveau erreicht; der Auftrag wird nicht ausgefĂŒhrt, wenn der Kurs dieses Niveau nicht erreicht. TatsĂ€chlich legt ein Limitauftrag den maximalen oder minimalen Preis fest, zu dem Sie bereit sind, zu kaufen oder zu verkaufen.

Wenn ein Anleger z.B. eine Aktie zu 10 Euro kaufen möchten, kann dieser einen Limit Order fĂŒr diesen Betrag eingeben. Das bedeutet, dass er fĂŒr diese bestimmte Aktie keinen Cent mehr als 10 Euro bezahlen wĂŒrden. Es ist jedoch immer noch möglich, dass man sie fĂŒr weniger als die in der Order angegebenen 10 Euro pro Aktie kauft

Es gibt vier Arten von Limit Orders:

Buy Limit

Ein Auftrag zum Kauf eines Wertpapiers zu oder unter einem bestimmten Preis. Limit Order mĂŒssen auf der richtigen Seite des Marktes platziert werden, um sicherzustellen, dass sie die Aufgabe der Preisverbesserung erfĂŒllen. Bei einer Kauf-Limit-Order bedeutet dies, dass die Order zum oder unter dem aktuellen Marktgebot platziert wird.

Verkaufs-Limit-Order

Ein Auftrag zum Verkauf eines Wertpapiers zu oder ĂŒber einem bestimmten Preis. Um einen verbesserten Preis zu gewĂ€hrleisten, muss der Auftrag zum oder ĂŒber dem aktuellen Marktpreis platziert werden.

Buy Stop

Ein Auftrag, ein Wertpapier zu einem Preis ĂŒber dem aktuellen Marktgebot zu kaufen. Eine Stop-Order zum Kauf wird erst dann aktiv, wenn ein bestimmtes Preisniveau erreicht ist (das so genannte Stop-Level). Buy Stop sind AuftrĂ€ge, die ĂŒber dem Markt platziert werden, und Sell Stop-Orders, die unter dem Markt platziert werden (das Gegenteil von Buy- bzw. Sell-Limit-Orders). Sobald ein Stop-Level erreicht ist, wird die Order sofort in eine Markt- oder Limit Order umgewandelt.

Sell Stop

Ein Auftrag zum Verkauf eines Wertpapiers zu einem Preis unter dem aktuellen Marktpreis. Wie der Kauf-Stopp wird auch der Verkaufs-Stopp-Order erst nach Erreichen eines bestimmten Kursniveaus aktiv.

Visuelle Darstellung eines Limit Orders anhand eines Kursverlaufs.
Quelle: LYXN

Kosten eines Market- und Limit Orders

Bei der Entscheidung zwischen einem Market Order oder Limit Order sollten sich Anleger der zusĂ€tzlichen Kosten bewusst sein. In der Regel sind die Provisionen fĂŒr Market Order gĂŒnstiger als fĂŒr Limit Order. Die Kommissionsdifferenz kann zwischen ein paar Euro und mehr als 10 Euro liegen. Zum Beispiel kann eine Kommission von 10 Euro fĂŒr eine Market Order auf bis zu 15 Euro erhöht werden, wenn eine Limit Order gesetzt wird. Ein Limit Order sollte nur gesetzt werden, wenn man sich der erhöhten Kosten bewusst ist und sich der Order mit hoher Wahrscheinlichkeit lohnt.

Warum die richtige Auswahl des Orders wichtig ist, möchten wir anhand eines kurzen Beispiels illustrieren:

Nehmen wir an, der eigene Broker berechnet 7 € fĂŒr eine Market Order und 12 € fĂŒr eine Limit Order. Die Aktie XYZ wird derzeit zu 50 € pro Aktie gehandelt, und man möchte sie zu 49,90 € kaufen. Wenn der Investor eine Market Order zum Kauf von 10 Aktien erteilt, zahlt dieser 500 € (10 Aktien x 50 € pro Aktie) + 7 € Kommission, was insgesamt 507 € ergibt. Wird der Kauf allerdings ĂŒber eine Limit Order fĂŒr 10 Aktien zu 49,90 € abgewickelt, zahlt man 499 € + 12 € Kommissionen, was insgesamt 511 € ergibt.

Auch wenn man beim Kauf der Aktie zu einem niedrigeren Preis etwas spart (10 Aktien x 0,10 € = 1 €), verliert sich diese Einsparung durch die zusĂ€tzlichen Kosten fĂŒr den Auftrag (5 €), eine Differenz von 4 €. Außerdem ist es im Falle des Limitauftrags möglich, dass die Aktie nicht auf 49,90 € oder weniger fĂ€llt. Wenn sie also weiter steigt, verliert man möglicherweise die Gelegenheit zum Kauf.


Weitere Ordertypen

Nachdem wir nun die beiden wichtigsten Order erlĂ€utert haben, anbei eine Liste mit einigen zusĂ€tzlichen Ordertypen, die viele verschiedene Broker fĂŒr ihre AuftrĂ€ge zulassen:

Stop-Loss-Order

Eine Order die weit verbreitet ist und sich oftmals, sowohl bei Investoren, als auch Tradern, sehr nĂŒtzlich erweist. Diese Order unterscheidet sich von Limit- und Market Order, die bereits bei ihrer Eingabe aktiv sind, da die Stop-Loss-Order so lange ruht, bis ein bestimmter Kurs ĂŒberschritten wird, woraufhin diese als Markt-Order aktiviert wird. Wenn zum Beispiel eine Stop-Loss-Verkaufsorder auf die XYZ-Aktien zu 45 € pro Aktie platziert wird, wĂ€re die Order inaktiv, bis der Kurs 45 € erreicht oder unterschritten hat. Die Order wĂŒrde dann in eine Marktorder umgewandelt, und die Aktien wĂŒrden zum besten verfĂŒgbaren Preis verkauft. Diese Art von Order sollte in Betracht gezogen werden, wenn man keine Zeit hat, den Markt stĂ€ndig zu beobachten, aber sich gegen eine grĂ¶ĂŸere AbwĂ€rtsbewegung absichern möchte. Ein guter Zeitpunkt fĂŒr die Verwendung einer Stop-Order ist daher zum Beispiel vor einem Urlaub.

Stop-Limit-Order

Diese sind Ă€hnlich wie Stop-Loss-Orders, aber wie ihr Name schon sagt, gibt es ein Limit fĂŒr den Preis, zu dem sie ausgefĂŒhrt werden. Bei einer Stop-Limit-Order sind zwei Preise angegeben: der Stop-Preis, der die Order in eine Verkaufsorder umwandelt, und der Limit-Preis. Anstatt die Order in eine Marktorder zum Verkauf umzuwandeln, wird die Verkaufsorder zu einer Limit Order, die nur zum Limit-Preis oder besser ausgefĂŒhrt wird. Dadurch kann ein potenzielles Problem mit Stop-Loss-Orders gemildert werden, das bei einem Blitz-Crash ausgelöst werden kann, wenn die Kurse nach unten fallen, sich danach aber wieder erholen.

All or None (AON)

Diese Art von Order ist besonders wichtig fĂŒr diejenigen, die Penny-Stocks kaufen. Ein All-or-None-Order stellt sicher, dass man entweder die gesamte angeforderte Aktienmenge oder gar keine erhĂ€lt. Dies ist in der Regel problematisch, wenn eine Aktie sehr illiquide ist oder zusĂ€tzlich ein Limit Order festgelegt wurde. Wenn man beispielsweise einen Auftrag zum Kauf von 2.000 Aktien von XYZ erteilt, aber nur 1.000 Aktien verkauft werden, bedeutet eine Alles-oder-Nichts-BeschrĂ€nkung, dass der Auftrag erst dann ausgefĂŒhrt wird, wenn mindestens 2.000 Aktien zum bevorzugten Preis verfĂŒgbar sind. Wenn keine AON festgelegt wurde, wird die Order ĂŒber 2.000 Aktien fĂŒr 1.000 Aktien teilweise ausgefĂŒhrt.

Immediately or Cancel (IOC)

Eine IOC-Order schreibt vor, dass ein Auftrag in beliebiger Höhe, der am Markt (oder zu einem Limit) in einer sehr kurzen Zeitspanne, oft nur wenige Sekunden oder weniger, ausgefĂŒhrt werden kann, ausgefĂŒhrt und dann der Rest des Auftrags storniert wird. Wenn in diesem “unmittelbaren” Intervall keine Aktien gehandelt werden, wird der Auftrag vollstĂ€ndig annulliert.

Fill or Kill (FOK)

Dieser Ordertyp kombiniert eine AON-Order mit einer IOC-Spezifikation; mit anderen Worten, er schreibt vor, dass die gesamte OrdergrĂ¶ĂŸe in einem sehr kurzen Zeitraum, oft wenige Sekunden oder weniger, gehandelt wird. Wenn keine der beiden Bedingungen erfĂŒllt ist, wird der Auftrag storniert.

Good ‘Til Canceled (GTC)

Hierbei handelt es sich um eine zeitliche BeschrĂ€nkung, die man auf verschiedene AuftrĂ€ge anwenden können. Ein Auftrag mit “Gut bis zur Annullierung” bleibt aktiv, bis sich der Investor entscheidet, diesen zu annullieren. BrokerhĂ€user begrenzen in der Regel die maximale Zeit, die Sie einen Auftrag offen (aktiv) halten können, auf 90 Tage.

Day

Wenn in der GTC-Anweisung kein Verfallszeitraum angeben wird, wird der Auftrag in der Regel als Tagesauftrag festgelegt. Dies bedeutet, dass die Order nach Ende des Handelstages verfĂ€llt. Wenn sie nicht ausgefĂŒhrt (ausgefĂŒllt) wird, muss sie am folgenden Handelstag erneut eingeben werden.

Take Profit

Ein Take-Profit-Order dient dazu, den Handel mit einem Gewinn abzuschliessen, sobald er ein bestimmtes Niveau erreicht hat. Die AusfĂŒhrung einer Take-Profit-Order schließt die Position. Diese Auftragsart ist immer mit einer offenen Position eines Pending-Auftrags verbunden.


Nicht alle BrokerhÀuser oder Online-Handelsplattformen lassen alle diese Auftragsarten zu. Insofern sollte man sich vorab informieren, beziehungsweise den persönlichen Broker kontaktieren.



Fazit

Die Kenntnis des Unterschieds zwischen einer Limit- und einer Market Order ist fĂŒr individuelle Investitionen von grundlegender Bedeutung. Es gibt Zeiten, in denen das eine oder das andere geeigneter ist, und die Auftragsart wird auch von dem eigenen Anlageansatz beeinflusst.

Ein langfristiger Anleger wird sich eher fĂŒr eine Marktorder entscheiden, weil sie billiger ist und die Investitionsentscheidung auf Fundamentaldaten beruht, die sich ĂŒber Monate und Jahre hinweg entwickeln werden. Ein kurzfristiger Anleger oder “Trader” ist jedoch bestrebt, auf einen kurzfristigen Trend in den Charts zu reagieren, und ist sich daher viel bewusster ĂŒber den bezahlten Marktpreis; in diesem Fall ist eine Limit Order zum Kauf mit einer Stop-Loss-Order zum Verkauf normalerweise das absolute Minimum fĂŒr die Einrichtung eines Handels.

Wenn man weiß, was jede Order bewirkt und wie jede einzelne den eigenen Handel beeinflusst, kann festgestellt werden, welche Order den eigenen AnlagebedĂŒrfnissen entspricht, Zeit spart, sowie das Risiko reduziert, was am wichtigsten ist und letztendlich Geld spart.


GrĂŒnder & Autor von Finanz KompasS


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