MBB SE: ein Arsenal voll Zukunftstechnologien

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MBB SE: ein Arsenal voll Zukunftstechnologien

~ 5 Min Lesezeit


Liebe(r) Leser*innen, in diesem Beitrag möchte ich das deutsche Unternehmen MBB Se vorstellen und analysieren. Das Berliner Unternehmen ist als Beteiligungsgesellschaft tĂ€tig und fokussiert sich auf den Erwerb von mittelstĂ€ndischen Technologieunternehmen, mit denen eine langfristige Partnerschaft eingegangen wird. Das Unternehmen ist im Börsensegment des Prime Standards gelistet und konnte durch die erfolgreichen Akquisitionen bisher Investoren eine ĂŒberdurchschnittliche Rendite seit dem Börsengang erbringen.

Datei:MBB-Logo-3.svg – Wikipedia
WKNA0ETBQ
ISINDE000A0ETBQ4
IndustrieMischkonzern
SektorDiverse
Kurs
119,500 €
Börsenwert694,980 Mio. €
KGV (2021e)34,00
PEG (2021e)1,17
EPS (2021e)3,52 €
Das Unternehmen in Kennzahlen

Haftungsausschluss

Finanz Kompass ĂŒbernimmt keine Garantie fĂŒr die Richtigkeit der Daten. Die Analyse wurde mit bestem Wissen und Gewissen erstellt. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar und sollte auch nicht als solche verstanden werden. Der Kauf von Aktien ist mit hohen Risiken verbunden und kann sogar zum Totalverlust fĂŒhren. Bitte beachten Sie, dass Investitionen nur nach eigener Recherche getroffen werden sollten.

Unternehmensvorstellung

GrĂŒndung

Das Unternehmen wurde im Jahr 1995 in Berlin von Gert-Maria Freimuth und Dr. Christof Nesemeier vormals unter dem Name Nesemeier & Fremuth GmbH gegrĂŒndet. Die beiden GrĂŒnder lernten sich wĂ€hrend des Studiums in MĂŒnster kennen und die Idee fĂŒr ein gemeinsames Unternehmen war bereits 1986 konzipiert.
Zwei Jahre nach der UnternehmensgrĂŒndung im Jahr 1997 erwarben die beiden Unternehmer die Gesellschaft MBB Gelma Industrieelektronik, eine ehemalige Tochter des Konzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm, von der Daimler-Benz Aerospace AG. Fortan wurde das KĂŒrzel MBB in den Namen eingegliedert, nachdem der Konzern MBB in der Nachkriegszeit mit fĂŒhrender Ingenieurskunst assoziiert wurde, sollte diese Verbindung aufrecht gehalten werden und die Mission der beiden GrĂŒnder widerspiegeln.

Gert-Maria Freimuth, Vorsitzender des Verwaltungsrats
(Quelle: Unternehmensseite)

Dr. Christof Nesemeier, CEO
(Quelle: Unternehmensseite)

Der Börsengang des Unternehmen erfolgte 2006 und seitdem konnten Freimuth und Nesemeier den Umsatz von anfĂ€nglich 37 Mio. € auf 592 Mio. € im Jahr 2019 steigern, was einer jĂ€hrlichen Wachstumssteigerung von ĂŒber 20 % pro Jahr entspricht.

Mission des Unternehmen

Als mittelstĂ€ndisches Familienunternehmen erzielt MBB mit deutscher Technologie- und Ingenieurskompetenz ĂŒberlegenes Umsatz- und Wertewachstum.

GeschÀftsmodell

Die Mission von MBB manifestiert sich entsprechend auch in der Akquisitionsstrategie. Zu dem Portfolio der Beteiligungsgesellschaft gehören bisher sechs Unternehmen, darunter aus Zukunftsbranchen wie zum Beispiel Elektro-MobilitĂ€t, Energieinfrastruktur, IT-Sicherheit und Umweltlösungen. Bei den Beteiligungen handelt es sich um Groß, Mittel- und Kleinunternehmen und somit besteht weiterhin ein wesentliches Wachstumspotential, was auch die Devise der beiden GrĂŒnder entspricht.

Beteiligungen

Zu den drei grĂ¶ĂŸten Beteiligungen des Unternehmens gehören:

Aumann AG

  • TĂ€tigkeit: Maschinenbau, Automatisierungslösungen & Engineering und verbundene Dienstleistungen
  • MĂ€rkte: E-MobilitĂ€t, Automobil-, Luftfahrt-, Schienenfahrzeug-, KonsumgĂŒter-, Agrar- und Cleantechindustrie
  • Umsatz 2019: 260 Mio. €
  • Beteiligung: 38 %
Aumann Unternehmensprofil
Unternehmensprofil Aumann
Graphik vergrĂ¶ĂŸerbar
(Quelle: Hauptversammlung 2016)

Im Hinblick auf den Trend der erneuerbarer Energien ist die Aumann AG nachhaltig positioniert. Das Unternehmen bedient unter anderem als fĂŒhrender Anlagenbauer fĂŒr die Spulenentwicklung von energieeffizienteren Motoren einen Zukunftsmarkt. Das Unternehmen operiert in einem Nischenmarkt und verfĂŒgt ĂŒber ein nachhaltiges Wachstumspotential.

Friedrich Vorwerk SE & Co. KG

  • TĂ€tigkeit: Pipeline- und Anlagenbau
  • MĂ€rkte: Infrastruktur fĂŒr Gas und Strom
  • Umsatz 2019: >200 Mio. €
  • Beteiligung: 60 %
Produkt- und Dienstleistungsbeschreibung Vorwerk
Graphik vergrĂ¶ĂŸerbar
(Quelle: MBB Unternehmensseite)

Vorwerk fungiert als IntermediĂ€r auf dem Markt fĂŒr erneuerbare Energien in dem sich das Unternehmen auf die Vernetzung und Verteilung der erzeugten Energie an den Endkonsumenten fokussiert. Das Unternehmen wurde erst 2019 mit einem Anteil von 60 % erworben und erweiterte somit das Segment der erneuerbarer Energien im Portfolio von MBB.

DTS IT AG

  • TĂ€tigkeit: Cyber Security Dienstleistungen
  • MĂ€rkte: Industrie, Dienstleistungen
  • Umsatz 2019: 65 Mio. €
  • Beteiligung: 80 %

Die DTS IT AG ist im Bereich der Informationssicherheit tĂ€tig. Das Unternehmen bietet Kunden mithilfe der eigenen Rechenzentren die Beratung, Konzeption, Beschaffung, Implementierung sowie Wartung von IT-Sicherheitslösungen Vorort, beziehungsweise ĂŒber die Cloud an. Mit dem Voranschreiten der Digitalisierung wird die Bedeutung von IT-Security immer prominenter und ein entsprechend stark wachsendes und zukunftstrĂ€chtiges GeschĂ€ftsfeld.


Unternehmensbewertung

SWOT – Analyse

Eine kurze Analyse des Unternehmensumfeldes zeigt folgende StÀrken (Strengths), SchwÀchen (Weaknesses), OpportunitÀten (Opportunities) und Bedrohungen (Threats) des Unternehmens auf:

StÀrken

  • Wachstumsmarkt ⚡
  • Diversifikationseffekt
  • Formung strategischer Partnerschaften

SchwÀchen

  • KapitalintensivitĂ€t ⚡
  • UnternehmensfĂŒhrung komplex
  • ErfolgsabhĂ€ngikeit von Beteiligungen

OpportunitÀten

  • multisektorale Expansion ⚡
  • multinationale Expansion
  • Akquirierung preiswerter Unternehmen (GeschĂ€ftsmodell)

Gefahren

  • geographische Konzentration ⚡
  • unvorteilhafte Gesetzgebung

MBB investiert ersichtlich in ZukunftsmĂ€rkte und ermöglicht Anlegern somit den Zugang zu einer Vielzahl von nachhaltigen Investments ĂŒber eine Aktie. Das GeschĂ€ftsmodell des Unternehmens ermöglicht es, ĂŒber eine Vielzahl von Sektoren zu diversifizieren und sich so gegen Risiken abzusichern. Gleichzeitig gestaltet sich die FĂŒhrung mehrerer Unternehmen natĂŒrlich komplexer und insgesamt birgt die Fokussierung auf den deutschen Mittelstand ein Konzentrationsrisiko, wenn es zu einer regulatorischen oder wirtschaftlichen Krise kommt.
Im Allgemeinen kann das UnternehmensgeschĂ€ft sehr lohnend sein, insofern eine erfolgreiche Investition getĂ€tigt wird, allerdings ist es auch mit einem hohen Risiko verbunden, da diese Investitionen mit viel Geld einhergehen und der Erfolg der Akquisition vom Analysten, dem Übernahmepreis sowie dem ĂŒbernommenen Unternehmen abhĂ€ngt. Dementsprechend ist der Erfolg von einer Vielzahl von Variablen abhĂ€ngig.

Kennzahlen

Das Unternehmen konnte nichtsdestotrotz besonders in den letzten Jahren die eigene QualitĂ€t unter Beweis stellen. Von 2015 bis 2019 verzeichnete MBB ein jĂ€hrliches Umsatzwachstum von mehr als 21 % und einen EBITDA Wachstum zwischen 16 – 22 %.
Es wird erwartet, dass sich dieser positive Trend auch im Jahr 2020 bestĂ€tigt (Anm.: zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lagen die endgĂŒltigen Zahlen fĂŒr 2020 noch nicht vor).

Umsatzentwicklung von MBB
Graphik vergrĂ¶ĂŸerbar
(Quelle: Hauptversammlung 2020)

Dieser rasante Wachstum widerspiegelt sich auch im Aktienkurs, welcher sich seit Börsengang mehr als verzehnfacht hat. ErwÀhnenswert ist es, dass die getÀtigten Akquisitionen wesentliche Treiber des Aktienkurses darstellen können, wie auch der Erwerb von Aumann Ende 2015 demonstriert.

MBB Kursverlauf
Kursverlauf von MBB
– Graphik vergrĂ¶ĂŸerbar –
(Quelle: wallstreet:online)

Der maßgebliche Erfolg des Unternehmens ist natĂŒrlich auf die einzelnen Beteiligungen zurĂŒckzufĂŒhren, welche sich allesamt als relativ erfolgreich herausgestellt haben. Besonders die grĂ¶ĂŸeren Investitionen auf der linken Seite der Graphik konnten mit einer jĂ€hrlichen Wachstumsrate von 9 bis 35 % ĂŒberzeugen.

Aufstellung der einzelnen Beteiligungen und deren Umsatzentwicklung von 2015 – 2019
Graphik vergrĂ¶ĂŸerbar
(Quelle: Hauptversammlung 2020)

Das Unternehmen konnte innerhalb von fĂŒnf Jahren den Umsatz mehr als verdoppeln. Gleichzeitig hat sich die EBIDTA – Marge um 1,6 % verbessert, was durchaus als Erfolg zu bewerten ist, da die Integrierung neuer Unternehmen Konzerne oftmals vor grĂ¶ĂŸeren Herausforderungen stellt, insbesondere was die Effizienz und EffektivitĂ€t betrifft.
DarĂŒber hinaus verfĂŒgt das Unternehmen ĂŒber mehr als 50 Prozent Eigenkapital und hat ausreichend liquide Mittel, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten zu begleichen. Die fundamentale Entwicklung der MBB ist folglich durchaus solide und begrĂŒndet die Performance der Aktie.

 20192018201720162015
Umsatzerlöse592.059506.590403.077332.165252.799 
EBITDA (adj.)67.59354.52938.86230.35524.838
EBITDA-Marge11,4 %10,8 %9,6 %9,1 %9,8 %
EBIT (adj.)47.66141.30728.95722.34218.032
EBIT-Marge8,0 %8,2 %7,2 %6,7 %7,1 %
EBT (adj.)37.96139.57927.11020.96016.298
EBT-Marge6,4 %7,8 %6,7 %6,3 %6,4 %
Konzernergebnis  (adj.)17.92916.14213.56014.25311.782
EPS (adj.) in € 2,952,452,062,161,79
Dividende in T€ 4.0994.3478.0363.8863.754
Dividende pro Aktie in €0,691,321,220,590,57
Anzahl Aktien5.940.7516.600.0006.600.0006.600.0006.600.000
 20192018201720162015
Bilanzsumme844.692725.657611.229266.473222.574
Langfristige Vermögenswerte346.084217.487190.229112.26798.530
Kurzfristige Vermögenswerte498.608508.170421.000154.206124.044
Darin enthaltene liquide Mittel 340.193376.204279.21377.45053.976
Eigenkapital insgesamt474.552499.292385.05798.39987.739
Langfristige Schulden149.91978.13286.58969.88960.586
Kurzfristige Schulden220.221148.233139.58398.18574.249
Net Cash249.838312.325222.02622.1588.091
Mitarbeiter in Köpfen3.5052.1842.0061.4771.343
Entwicklung der Unternehmenskennzahlen von 2015 – 2019
(Quelle: Unternehmensseite)

DCF – Berechnung

Bei starken Wachstumsaktien ist natĂŒrlich die Aussagekraft der DCF – Kalkulation fĂŒr die Ermittlung des fairen Werts nur begrenzt aussagekrĂ€ftig.
Nichtsdestotrotz soll die Berechnung als AnnĂ€herung an den fairen Wert der Aktie dienen. Die Berechnung ergab einen fairen Wert von ~ 61 €, was dem ungefĂ€hren Preis zu Beginn des Jahres 2020 entspricht. FĂŒr die Berechnung wurde der prognostizierte Cashflow des Jahres 2021 verwendet, da das Jahr 2020 sehr unterschiedliche Prognosen der Experten lieferte. FĂŒr die Wachstumsrate wurde die durchschnittliche Erwartung von mehreren Aktienseiten von 2021 bis 2022 um ein Drittel gekĂŒrzt, um einen realistischeren Wert zu erhalten.

Ermittlung des fairen Preises der Aktie ohne IPO
– Graphik vergrĂ¶ĂŸerbar –
(Quelle: eigene Darstellung / Berechnung)

Erkennbar ist allerdings, dass der Aktienkurs von der Nachricht beflĂŒgelt wurde, dass im Jahr 2021 der Börsengang von Vorwerk geplant ist. Somit ist ohne BerĂŒcksichtigung dieser Nachricht der faire Kurse von 61 € nicht allzu realistisch. Infolge der Nachricht verdoppelte sich der Aktienkurs mit einem Allzeithoch von 124,50 € und steht derzeit bei 119,50 €.
Im Zuge des potentiellen IPO wurde der fairer Wert der Aktie neu berechnet, unter BerĂŒcksichtigung des möglichen Gewinns, welchen MBB als Anteilseigner mit 60 % erzielen wĂŒrde. MBB begleitete schon 2017 den Börsengang von Aumann und konnte dadurch einen zusĂ€tzlichen Cashflow von ĂŒber 275 Mio. € erwirtschaften bei einer damaligen Beteiligung von 49,17 %. Nachdem die beiden Unternehmen Aumann und Vorwerk vom Umsatz und der UnternehmensgrĂ¶ĂŸe vergleichbar sind, wurde der potentielle Gewinn des Börsengangs extrapoliert und ergab somit eine Summe von 337 Mio. €.

Ermittlung des fairen Preises der Aktie mit IPO
– Graphik vergrĂ¶ĂŸerbar –
(Quelle: eigene Darstellung / Berechnung)

Wird dieser Gewinn den liquiden Mitteln zugerechnet, erhĂ€lt man einen fairen Kurs von 117,82 €. Dieser liegt sehr nahe dem derzeitigen Kurs bei einer jĂ€hrlichen Renditeerwartung von 10 %.

Fazit

Die Bewertung der Aktie steht und fĂ€llt mit dem Börsengang. Das Unternehmen wird voraussichtlich den anvisierten Umsatz von >660 Mio. € erreichen. Allerdings ist anzumerken, dass der wesentliche Treiber des Umsatzes die Beteilung in Vorwerk ist, das Unternehmen profitierte nĂ€mlich maßgeblich von der Nachfrage nach erneuerbaren Energien im Jahr 2020. Die anderen Beteiligungen, besonders Aumann als Automobil-Zulieferer, mussten auf Grund der Covid-19-Krise starke UmsatzrĂŒckgĂ€nge einbĂŒĂŸen. Hierbei stellt sich die Frage, wann eine mögliche Erholung zu erwarten ist.
Insgesamt ist die fundamentale Aufstellung des Unternehmens intakt und der Preis gerechtfertigt durch die bisherigen ĂŒberdurchschnittlichen Wachstumsraten der einzelnen Beteiligungen.
Ein Unternehmen mit womöglich viel Potenzial, das höchstwahrscheinlich auch unter dem Radar der meisten Investoren liegt. Nichtsdestotrotz könnte es klug sein, zunĂ€chst die Jahresendzahlen fĂŒr 2020 abzuwarten.


GrĂŒnder & Autor von Finanz KompasS


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