Causa GameStop: Short Squeeze, Reddit-Millionäre & Hedgefonds

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Causa GameStop: Short Squeeze, Reddit-Millionäre & Hedgefonds

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Jänner 2021. Es kommt zu einem Short Squeeze bei den Aktien des nordamerikanischen Videospielhändlers GameStop (Symbol: GME) und anderen Wertpapieren, der erhebliche finanzielle Folgen für bestimmte Hedgefonds und große Verluste für Leerverkäufer zur Folge hatte. Ungefähr 140 Prozent der GameStop-Aktien waren leerverkauft worden, und der Ansturm auf die Aktien, um diese Positionen zu decken, als der Kurs stieg, ließ ihn noch weiter steigen.

Der Short Squeeze wurde ursprünglich und hauptsächlich von Nutzern des Subreddits r/wallstreetbets ausgelöst, einem Internetforum auf der Social-News-Website Reddit.

(Quelle: reddit)

Auf dem Höhepunkt des Short Squeezes erreichte der Aktienkurs des Einzelhändlers vorbörslich einen Wert von über 500 US-Dollar pro Aktie, fast das 200-fache des Jahrestiefs der Aktie von 2,57 US-Dollar. Viele andere stark geshortete Wertpapiere verzeichneten ebenfalls Kurssteigerungen.

Kursverlauf GameStop vom 06.01.2021 bis 05.02.20201
Kursverlauf GameStop vom 06.01.2021 bis 05.02.20201
Graphik vergrößerbar –
(Quelle: Wallstreet:Online)

Viele Investoren wurden durch diesen Fall an einen weiteren historischen Short Squeeze erinnert. Ende Oktober 2008 erlebte die Aktie von Volkswagen ebenfalls einen Short Squeeze und stieg in kürzester Zeit um 400 Prozent.

Kursverlauf Volkswagen
Kursverlauf Volkswagen
– Graphik vergrößerbar –
(Quelle: Wallstreet:Online)

Am 28. Jänner stoppten mehrere Broker, darunter auch Robinhood – ein prominenter Online-Broker unter den Reddit-Nutzern – den Kauf von GameStop und anderen Wertpapieren und begründeten dies später damit, dass sie nicht in der Lage seien, ausreichend Sicherheiten bei Clearinghäusern zu hinterlegen, um die Aufträge ihrer Kunden auszuführen. Diese Entscheidung zog Kritik und Vorwürfe der Marktmanipulation von prominenten Politikern und Geschäftsleuten aus dem gesamten politischen Spektrum auf sich, und es wurden Dutzende von Sammelklagen gegen Robinhood bei US-Gerichten eingereicht.

Ungeachtet der politischen und gesellschaftlichen Implikationen des Short Squeeze möchte ich mich vielmehr darauf konzentrieren, wie es zu einem solchen Ereignis kommen kann, und meinen Lesern die zugrunde liegenden Prinzipien des Leerverkaufs näher bringen.

Der Leeverkauf (Short): Was steckt dahinter?

Leerverkäufe sind eine Finanzpraxis, bei der sich ein Anleger, der sogenannte Leerverkäufer, Aktien leiht und diese sofort verkauft, in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen (“Deckung”) sowie die geliehenen Aktien (plus Zinsen) an den Verleiher zurückzugeben und von der Differenz zu profitieren. In der Regel werden die Aktien allerdings von den Brokern verliehen (besonders Billig-Broker machen sich dieser Praxis zunutze, um zusätzliche Einnahmen zu generieren, um weiterhin einen günstigen Service anbieten zu können), weswegen Investoren in der Regel davon nichts mitbekommen. Diese Praxis birgt jedoch für Shortseller ein unbegrenztes Verlustrisiko, da es keine inhärente Grenze gibt, wie hoch der Kurs einer Aktie steigen kann. Dies steht im Gegensatz zum Eingehen einer Long-Position (dem bloßen Besitz der Aktie), bei der der Verlust des Anlegers auf die Kosten seiner ursprünglichen Investition begrenzt ist.

Leerverkäufer sind dem Risiko eines Short Squeeze ausgesetzt, der auftritt, wenn die leerverkaufte Aktie im Wert springt, z.B. aufgrund einer plötzlichen positiven Nachricht. Leerverkäufer sind dann gezwungen, die Aktie, die sie ursprünglich verkauft hatten, wieder zurückzukaufen, um ihre Verluste nicht noch größer werden zu lassen. Wenn sie die Aktie kaufen, um ihre Leerverkaufspositionen zu decken, steigt der Preis der leerverkauften Aktie gemäß dem Prinzip des Marktgleichgewichts, da die Nachfrage nach der Aktie bei gleichbleibendem Angebot steigt. Entsprechend werden weitere Leerverkäufer dazu veranlasst, ihre Positionen durch den Kauf der Aktie zu decken. Dies kann zu einer Kaskade von Aktienkäufen und einem noch größeren Sprung des Aktienkurses führen.

Dementsprechend stellt sich die Frage, warum Shortseller nicht einfach abwarten, bis der Aktienkurs wieder sinkt, wenn sie davon überzeugt sind, dass das Unternehmen überbewertet ist oder eine größere Korrektur bevorsteht. Das ist möglich, allerdings ist der Zins, der für das Leerverkaufen gezahlt wird, relativ hoch und mit zunehmender Haltedauer akkumuliert sich der Zinsaufwand. Dies ist der Grund, warum Anleger zumeist Aktien leerverkaufen, wenn sie einen baldigen Kursrückgang prognostizieren.

Short Squeeze im Fall von Gamestop

Als Beispiel waren am 22. Januar 2021 etwa 140 Prozent des öffentlichen Streubesitzes von GameStop (der Anteil der Aktien eines Unternehmens, der sich in den Händen öffentlicher Investoren befindet) leerverkauft worden, was bedeutet, dass einige der leerverkauften Aktien wieder verliehen und erneut geshortet wurden. Beobachter, die sich um r/wallstreetbets versammelten, glaubten, dass das Unternehmen deutlich unterbewertet sei, und mit einer so großen Menge an leerverkauften Aktien könnten sie einen Short Squeeze auslösen, indem sie den Preis so weit in die Höhe treiben, dass die Leerverkäufer kapitulieren und ihre Positionen mit großen Verlusten eindecken müssen. Zu den größten Shortsellern gehörten große Hedgefonds, weswegen dieser Short Squeeze auch ein sozialkritisches Motiv verfolgte.

Zum Stand vom 07.02.2021 notiert die Aktie mittlerweile bei ~ 63 USD und ist somit weit ab von ihrem Rekordhoch. Zahlreiche Anleger haben viel Geld verloren, weil sie dachten, dass der Aktienkurs noch weiter steigen würde. Ebenso haben einige Hedge-Fonds erhebliche Verluste gemacht. Die Praxis des Leerverkaufs hat zwar eine Daseinsberechtigung, aber die potenziellen Nachteile sind grenzenlos. Das muss man sich entsprechend vor Augen halten.

Fazit

Zwei Erkenntnisse können aus der Causa GameStop gezogen werden. Auf der einen Seite ist Shortselling mit grenzenlosem Verlustpotenzial verbunden. Selbst nach sorgfältiger Recherche können Leerverkäufe durch andere unvorhersehbare Ereignisse nach hinten losgehen. Auf der anderen Seite kann die relative Menge der Leerverkäufe im Verhältnis zum Streubesitz einen Indikator dafür darstellen, wie sich das Unternehmen in naher Zukunft voraussichtlich entwickeln wird. Investoren können diese Information zu ihrem Vorteil nutzen. Wenn ein Unternehmen stark geshortet ist, wird erwartet, dass es sich schlecht entwickeln wird oder überbewertet ist. Wenn es wenig bis gar keine Leerverkäufe gibt, wird erwartet, dass sich das Unternehmen besser entwickelt oder seine Aktien zu einem angemessenen Preis verkauft werden.


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